18. Juli 2012Weltpoliotag 2012 - Für eine poliofreie Welt

Am 28. Oktober 2012 ist Weltpoliotag. Aus diesem Anlass lädt der Bundesverband POLIO Selbsthilfe e. V. bereits am Samstag, den 27. Oktober, um 13.00 Uhr zu einer zentralen Informationsveranstaltung in Nürnberg, Klinikum Süd, ein.

„Für eine Welt ohne Kinderlähmung und deren Spätfolgen“ – so lautet das Motto der zentralen Informationsveranstaltung in Nürnberg, zu der der Bundesverband POLIO Selbsthilfe e. V. aus Anlass des Weltpoliotages am 28. Oktober 2012 einlädt.

„Die WHO hat Europa zwar vor zehn Jahren für poliofrei erklärt. Doch Polio ist nur wenige Flugstunden von uns entfernt, wie der Ausbruch im Jahr 2010 in Tadschikistan gezeigt hat“, sagt Karola Rengis, 1. Vorsitzende des Bundesverbandes Polio Selbsthilfe e.V. mit Sitz in Bielefeld. „Zu unseren Zielen gehört die endgültige Ausrottung des Polio-Virus weltweit. Deshalb ist es sehr wichtig, dass alle Menschen die Termine für Auffrischungsimpfungen einhalten.“ Das nicht minder wichtige Ziel des Verbandes ist die wohnortnahe medizinische Versorgung all derjenigen, die heute unter der Nachfolgeerkrankung einer Polio-Infektion, dem sogenannten Post-Polio-Syndrom (PPS), leiden.

PPS-Patienten klagen über Lähmungen, Schmerzen, Erschöpfungszustände, Atem- und Schluckbeschwerden, Schlafstörungen und viele weitere Symptome. „Das Leiden betrifft in Deutschland etwa 100.000 Überlebende einer Polio-Erkrankung und mindestens eine Million Menschen, die sich in ihrer Kindheit zwar mit dem Polio-Virus infizierten, bei denen die Krankheit aber nicht ausgebrochen ist“, sagt Dr. med. Peter Brauer, Mitglied des ärztlichen Beirats von Polio Selbsthilfe e.V..

Der Verband bemängelt, dass viele Ärzte in Deutschland zu wenig über das PPS wissen. „Die Poliomyelitis sowie das Post-Polio-Syndrom stehen an den medizinischen Fakultäten unserer Universitäten so gut wie nicht mehr auf den Lehrplänen“, sagt Karola Rengis. Sie beobachtet in den über das gesamte Bundesgebiet verteilten Selbsthilfegruppen, dass PPS-Patienten sich von niedergelassenen Ärzten mangelhaft behandelt fühlen. Zu gering sei das Wissen über das Post-Polio-Syndrom, zu groß die Angst vor hohen Behandlungskosten, die das Budget eines Arztes sprengen könnten.

Um Mediziner und Patienten aufzuklären, gibt Polio Selbsthilfe e.V. verschiedene Informationen heraus. Dazu gehört das Buch „Aspekte des Post-Polio-Syndroms“ von Dr. Peter Brauer, dessen englische Übersetzung pünktlich zum Weltpoliotag erscheint. In seinem Vortrag „Post-Polio-Syndrom, Krankheit mit tausend Gesichtern“ während der Nürnberger Veranstaltung wird Dr. Brauer auf die vielen Facetten der Krankheit eingehen. Aufmerksamer Zuhörer: John R McFarlane aus Irland, Präsident der Europäischen Polio Union.

Mittelpunkt des zweiten Vortrags werden Hilfsmittel sein, die PPS-Patienten den Alltag erleichtern. Dazu gehören einfache Geräte wie rutschfeste Gehhilfen ebenso wie das Smartphone-App, mit dem sich elektronisch kontrollieren lässt, ob die Orthese richtig sitzt. Der Vortrag beschäftigt sich ausserdem mit Neuentwicklungen in der Orthesentechnik.

„Auch der Kampf gegen Polio und seine Spätfolgen hat viele Facetten“, sagt Karola Rengis, die sich mit ihrem Verband seit 2001 für eine poliofreie Welt einsetzt. Schritt für Schritt nähert sie sich ihren Zielen. Im vergangenen März erreichte Polio Selbsthilfe, dass das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), eine gemeinsame Einrichtung der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Ärztekammern, die Nationalen VersorgungsLeitlinien in Bezug auf das PPS prüft. Auch sollen Patienteninformationen in die Arztbibliothek, so heißt das Wissensportal der deutschen Ärzteschaft, aufgenommen werden. „Das sind langfristig hoffentlich gute Ansätze für unsere medizinische Versorgung. Aber es wird Jahre dauern, bis diese Veränderungen umgesetzt werden.“

Weltpoliotag  
Der Weltpoliotag wurde erstmals 1998 durch UNICEF und die WHO ausgerufen. Er findet in jedem Jahr am 28. Oktober statt, dem Geburtstag des US-amerikanischen Bakteriologen Jonas Salk, der den Polio-Impfstoff entdeckt hat. Ziel ist, zu Auffrischungs-Impfungen zu motivieren, um eine Rückkehr der nahezu ausgerotteten Krankheit zu verhindern.
In Deutschland bereitet heute vor allem die Polio-Nachfolgeerkrankung, das sogenannte Post-Polio-Syndrom, Sorge. Die letzten beiden Polio-Erkrankungen traten 1986 und 1990 auf, die letzten importierten Fälle wurden 1992 erfasst.

Die Informationsveranstaltung findet am Samstag, den 27. Oktober, von 13.00 bis 16.30 Uhr in Nürnberg, Klinikum Süd, statt.

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Über das Netzwerk POLIO Selbsthilfe e. V.
Die POLIO Selbsthilfe e. V. setzt sich als Interessengemeinschaft von Kinderlähmungserkrankten seit 2001 für ein Netzwerk aus Ärzten und Patienten ein. Ziel ist, über das Post-Polio-Syndrom aufzuklären und somit die Zeit von den ersten Beschwerden bis zur Diagnose zu verkürzen. Der Verein versendet Informationen zum Post-Polio-Syndrom, die in Arztpraxen und Kliniken ausgelegt werden können. Mediziner erhalten auf Anfrage das Buch „Aspekte des Post-Polio-Syndroms“ von Dr. med. Peter Brauer, Mitglied im Ärztlichen Beirat der POLIO Selbsthilfe e. V. www.polio-selbsthilfe.net

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