4. November 2013Robert-Koch-Institut beschönigt Zahlen zur Impfquote

Der Bundesverband POLIO Selbsthilfe e. V. fordert, dass alle syrischen Flüchtlinge, die nach Deutschland einreisen, auf das Polio-Virus untersucht werden. Gleichzeitig wirft der Verband dem Robert-Koch-Institut vor, die Zahlen zur Impfquote in Deutschland zu beschönigen. Die Gefahr einer neuen Polio-Epidemie sei nicht mehr zu verschweigen.

 „Uns sind aus Syrien bisher zwölf Fälle von Polio-Infektionen bei Kindern bekannt“, sagt Karola Rengis, erste Vorsitzende des Bundesverbandes POLIO Selbsthilfe e. V. mit Sitz in Bielefeld. Sie erläutert: „Lähmungserscheinungen treten nur bei etwa einem Prozent der infizierten Personen auf. Wir müssen also davon ausgehen, dass deutlich mehr Menschen bereits vom Virus befallen sind. Jeder, der das Virus trägt, kann andere anstecken.“

Verband fordert, allen nach Deutschland einreisenden Flüchtlingen eingehend auf Polio-Viren zu untersuchen. „Das müssen wir schon zum Schutz der Flüchtlinge tun. Denn viele von ihnen sind Kinder“, sagt Karola Rengis, die selbst als zweijähriges Mädchen an Kinderlähmung erkrankte und heute unter den Spätfolgen, dem sogenannten Post-Polio-Syndrom, leidet. Anders als über eine Stuhlprobe lasse sich nicht feststellen, ob eine Gefahr von den Flüchtlingen ausgehe. „Diese Menschen haben doch keinen Aktenkoffer mit Impfbuch dabei.“

Polio Selbsthilfe wirft dem Robert-Koch-Institut vor, die Bevölkerung mit unseriösen Zahlen über die Impfquote in Sicherheit zu wiegen. So sagte der Leiter des Robert-Koch-Instituts, Professor Reinhard Burger, am 1. November 2013 in einem Interview des Deutschlandfunks, die Impfquote liege in Deutschland bei 95 Prozent. „Aus der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland des Instituts gehen aber deutlich alarmierendere Zahlen hervor“, sagt Karola Rengis. In dieser Studie heißt es: "Gegen Poliomyelitis sind 85,6 Prozent der Erwachsenen geimpft."

“Erst bei einer Durchimpfungsrate von 95 Prozent der Bevölkerung sind wir vor einer Epidemie geschützt “, sagt Karola Rengis. „Wir haben es in Deutschland aber mit einer starken Impfmüdigkeit zu tun. Vor allem junge Erwachsene sind sich der Risiken, umgeimpft zu sein, nicht mehr bewusst. Das ist vor allem gegenüber deren Kindern verantwortungslos. Zehn Prozent aller Eltern legen bei der Schuleingangsuntersuchung kein Impfbuch vor.“

Angesichts des Bürgerkriegs in Syrien und der drohenden Flüchtlingswelle fordert der Bundesverband Polio Selbsthilfe e.V. die Bundesregierung und das Robert-Koch-Institut zu einer offenen und ehrlichen Impfkampagne auf. „Wir müssen die Menschen überzeugen“, sagt Karola Rengis. „Denn in unserem Land ist das Impfen freiwillig. Niemand kann dazu gezwungen werden.“

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