6. Mai 2014Lieferengpässe bei Impfstoffen führen zu neuem Polio-Risiko

Bundesverband POLIO Selbsthilfe e.V. begrüßt neue Initiative der WHO

Die Europäische Impfwoche vom 22. bis 26. April 2014 sollte die Deutschen wachrütteln. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte diese Woche initiiert, um gegen die Impfmüdigkeit anzugehen und um den poliofreien Status aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig fehlen in den Arztpraxen wichtige Impfstoffe, weil Pharmaunternehmen Lieferengpässe melden. „Diese Produktionsschwierigkeiten führen zu gefährlichen Impflücken“, warnt Karola Rengis, 1. Vorsitzende des Bundesverbandes Polio Selbsthilfe e.V. mit Sitz in Bielefeld. Aus aktuellem Anlass warnt sie vor einer neuen Epidemie: „Angesichts der katastrophalen medizinischen Versorgung in Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien stehen wir vor einem enormen Risiko. Denn viele Flüchtlingskinder sind nicht gegen Polio geimpft. Sie könnten das Virus nach Deutschland bringen.“ Rengis begrüßt die neue Initiative der WHO, die derzeitige Verbreitung des Polio-Virus in Syrien, Irak, Pakistan, Afghanistan und mehreren afrikanischen Ländern als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite auszurufen.

In Deutschland machen Ärztevertreter große Pharmaunternehmen, die eine Monopolstellung hätten, für den Mangel an Impfstoffen verantwortlich. Die Unternehmen wehren sich gegen diese Anschuldigungen. GlaxoSmithKline, einer der weltweit größten Impfstoff-Hersteller, sieht andere Ursachen für den Engpass In Deutschland fehle weiterhin ein verpflichtender nationaler Impfplan. Zum anderen könnten exklusive Rabattverträge zwischen einzelnen Arzneimittelherstellern und deutschen gesetzlichen Krankenversicherungen die Versorgung gefährden, wenn es zu Produktionsproblemen bei einem Hersteller komme. Das Unternehmen selbst meldete Anfang dieses Jahres Lieferengpässe beim Vierfach-Impfstoff Boostrix® Polio.

„Es darf nicht sein, dass Ärztevertreter und Pharmaindustrie sich gegenseitig die Schuld zuschieben, während das Risiko einer neuen Epidemie wächst“, sagt Karola Rengis. Der Bundesverband Polio Selbsthilfe e.V. fordert daher sowohl die Bundesärztekammer als auch das Robert-Koch-Institut und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf, endlich zu handeln. „Vor allem in den Flüchtlingsunterkünften muss die medizinische Versorgung sofort verbessert werden. Die Entscheidung des Robert-Koch-Instituts, die Entnahme von Stuhlproben bei Asylbewerbern nur noch bei dringendem Polio-Verdacht zu empfehlen, halten wir für einen Fehler. Denn das Poliovirus muss nicht unbedingt sichtbare Symptome hervorrufen.“ Stuhlproben hingegen können sehr schnell darüber Auskunft geben, ob jemand mit dem Poliovirus infiziert ist, sagt Rengis. 

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