Post-Polio-SyndromArgumentationshilfe bei Reha- und Physiotherapieanträgen

Schreiben von Herrn M. Markworth
Gemeinschaftspraxis für Orthopädie
M. Markworth, P. Rudolphi, Dr. J. Härdrich

Kurt-Schumacher-Str. 17
33615 Bielefeld

vom 20.07.2004

Sehr geehrte Frau Rengis!

Gerne stelle ich ihnen ein allgemeines Schreiben zur Verfügung, welches argumentativ bei Rehaanträgen oder Physiotherapieanträgen helfen kann.

Sie dürfen dieses Schreiben gern an Patienten oder Kollegen weitergeben. Bei einem Rehaantrag sollte man grundsätzlich zwei Situationen unterscheiden.

Es besteht gesichert Z. n. Poliomyelitis.

A. Es besteht der dringende Verdacht auf ein Post-Polio-Syndrom, dann kann die Rehabilitation in einem der bekannten spezialisierten Zentren helfen, diese Verdachtsdiagnose zu erhärten oder zu widerlegen.

B. Ein anderer Weg wäre, vor der Rehabilitation im Rahmen einer stationären neurologischen Untersuchung und begleitend orthopädisch die Diagnose wiederum zu erhärten oder zu widerlegen.

Sollte kein Post-Polio-Syndrom vorliegen, ist im Prinzip die Rehabilitation wie bei jedem anderen Patienten nach Operation oder nach schwerer akuter Erkrankung zu handhaben.

Der alleinige Z. n. Poliomyelitis rechtfertigt in meinen Augen keine jährliche stationäre Rehabilitation.

Ganz anders liegt der Fall wenn ein Post-Polio-Syndrom zweifelsfrei oder sehr wahrscheinlich besteht. Hier ist das Hauptargument, dass der Patient, der ja (wie wir alle wissen) typischerweise seit 20 bis 30 Jahren gegen seine Residualzustände ankämpft und also Muskelkräftigung und Muskelaufbau betreibt, mit diagnostiziertem Post-Polio-Syndrom umdenken muss. Er benötigt sowohl für den Alltag, für sein soziales Umfeld, aber auch für seine gesamte therapeutische Zielsetzung neue Informationen und Anleitungen. Dieses kann am sinnvollsten im Rahmen einer 3- bis 4wöchigen stationären Rehabilitation erfolgen.

Hier ist also die wesentliche Argumentation:

  • Nachgewiesene neue Paresen bei Post-Polio-Syndrom
  • Erlernen einer neuen Physiotherapie, die muskuläre Überlastung und muskuläre Erschöpfung strikt vermeidet.
  • Psychologische Betreuung, um die bisherige Lebenseinstellung neu zu gestalten und zu begreifen.

Dass dieses nur in spezialisierten Zentren erfolgreich geschehen kann, haben wir leider schon am eigenen Leib erfahren, daher sollte der Reha-Antrag eindeutig verlangen, dass die Krankenkassen diese Behandlung

  • im "Hohen Meißner", Bad Sooden-Allendorf  oder
  • in der "Asklepios-Weserbergland-Klinik", Höxter

genehmigen.

Es wäre schön, wenn wir noch mal recherchieren, ob es noch weitere Zentren gibt, die sich mindestens 10 bis 15 Jahre mit Polio und Post-Polio auseinandersetzen, dann könnten wir evtl. hier noch Adressen einfügen.

Noch ein weiteres Argument: Eine stationäre Rehabilitation ermöglicht dem Patienten, unter geringstem körperlichen Aufwand viele Therapien durchzuführen, da die Wege innerhalb einer Rehaeinrichtung kurz und besser aufeinander abgestimmt sind. Eine ambulante Reha oder die gleichen Maßnahmen am Heimatort erfordern sehr viel mehr körperlichen Aufwand mit An- und Abfahrten zu verschiedenen Behandlungsadressen, die zum Teil weit auseinander liegen. Auch ist die Entlastung vom familiären Alltag eine Hilfe für eine erfolgreiche Rehabilitation.
Ich hoffe die Aufstellung ist hilfreich.

Mit freundlichen Grüßen
gezeichnet  M. Markworth

Kategorie: Wissen

Stichwörter: PPS Selbsthilfe