WESTFALEN-BLATT: Brackwede - Polio-Verband kritisiert Ärztekammer
Vorsitzende fordert bessere Aufklärung – Selbsthilfe-Verein besteht zehn Jahre
Brackwede (WB). Mehr Ärzte in Deutschland, die sich mit dem Post-Polio-Syndrom auskennen, fordert der Bundesverband Polio-Selbsthilfe mit Sitz in Brackwede.
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Hoffen auf mehr Aufklärung über das Post-Polio-Syndrom (von links): Anwalt Ralf Müller, Karola Rengis und ihr Mann Peter Rengis. Foto: Band
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»Vor allem die Ärztekammer und die Krankenversicherungen sind hier gefordert«, sagte Karola Rengis, Bundesverbandsvorsitzende der Polio-Selbsthilfe, am Samstag bei der Mitgliederversammlung im Johann-Heermann-Haus, bei der auch auf das zehnjährige Bestehen der Organisation zurückgeblickt wurde.
Zurzeit gebe es in Deutschland nur etwa 150 Ärzte, die sich in den zumeist von der Polio-Selbsthilfe organisierten Angeboten hätten fortbilden lassen. Rengis schätzt die Zahl der Patienten in Deutschland mit Lähmungen auf gut 100000. Die Zahl der mit dem Poliomyelitis-Virus Infizierten liege hingegen weit höher bei einer Million. »Wir haben aber erst 20000 Patienten mit unseren Hilfsangeboten erreicht«, sagte die 60-jährige Brackwederin, die selbst seit fast 20 Jahren unter den Lähmungserscheinungen leidet. Am 19. Mai 2001 hatte sie die erste Selbsthilfegruppe gegründet, die sich seitdem im Begegnungszentrum Neue Schanze trifft. Bundesweit betreut der 700 Mitglieder starke Verband zurzeit 1000 Betroffene. Das Post-Polio-Syndrom ist eine Folge-Erkrankung der Kinderlähmung (Poliomyelitis), die oft erst Jahrzehnte nach dieser und aus heiterem Himmel auftritt. Sie ist verbunden mit einer Abnahme von Kraft und Ausdauer sowie der Erschlaffung der Muskulatur.
Noch immer sei es der Regelfall, dass Betroffene zum Arzt gingen, dieser aber aus Unwissenheit über die Krankheit nicht helfen könne. Rengis beklagte zudem auch eine zunehmende Impfmüdigkeit in Deutschland: »In Tadschikistan, also gar nicht so weit weg, gab es vor kurzem eine Polio-Epidemie. Die Gefahr, dass die Kinderlähmung auch bei uns wieder auftaucht, ist also gegeben.«
Um Betroffene bei Auseinandersetzungen mit den Krankenkassen über ihre Rechte aufzuklären, hielt der Gütersloher Rechtsanwalt Ralf Müller darüber hinaus noch einen Vortrag zum Thema »Aktuelle Rechtsprechung zur Hilfsmittelversorgung - Grundversorgungsansprüche gesetzlich und privat Krankenversicherter«.
Montag, 23. Mai 2011 - 01:33 Uhr
Von Matthias Band
